Die Ambulante Hilfe für allein stehende Wohnungslose.
Ein Gespräch mit Wilfried Nordwall

Ambulante Hilfe
Beuljenstr. 3
26725 Emden
Tel.: 04921 / 20343 oder 20501
Fax: 04921 / 399429
Mail: Ambulante.Wohnungslosenhilfe@web.de
Öffnungszeiten: mo, mi, do, fr 9 - 12 Uhr
do 14 - 16 Uhr

Herr Nordwall, in unserem Gemeindebrief steht unter der Rubrik „Wichtige Adressen, die Hilfe bringen ...“ auch die Ambulante Hilfe. Was können sich unsere Leser darunter vorstellen?

Herr Nordwall: Die Ambulante Hilfe gibt es seit 1980 und ist daraus entstanden, dass es für umherziehende Wohnungslose keine örtliche Zuständigkeit gab laut Gesetz. Deshalb ist 1980 die „Ambulante Hilfe“ eingerichtet worden, die heutzutage auch flächendeckend ist. Für Jemanden, der umherzieht, ist kein Sozialamt zuständig. Leute, die nun sesshaft werden wollen, kommen zu uns und sagen, sie wollen weg von der Straße. Diese Menschen werden von uns betreut. Das Landessozialamt übernimmt dann sämtliche Kosten für die Unterbringung, Verpflegung und auch das Arbeiten im Möbellager. Die Leute können dann bis zu zwei Jahren arbeiten, um sich wieder einzugliedern. Nachdem sie in unseren Übergangswohnungen waren – in der Hauptmannstraße ist eine und in der Beuljenstraße ist eine – sollen sie eine eigene Wohnung bekommen, durch die Arbeit etwas Schulden abbauen und sich etwas festigen.



Ab wann werden die Nichtsesshaften denn als sesshaft angesehen? Ist das nach den zwei Jahren der Fall?

Herr Nordwall: Ja, es gibt dafür keinen Stempel. Nein, meistens braucht es viele Anläufe. Oft wird es in verschiedenen Städten versucht. Es gibt Probleme mit der Wohnung oder mit den Kollegen bei der Arbeitsstelle, und dann wandern sie wieder los. Irgendwann ist einfach mal der Punkt gekommen, wo es gefällt.

Je eher sie dabei von der Straße wegkommen, umso einfacher ist es für sie wieder sesshaft zu werden. Nach einem halben Jahr geht es noch ganz gut, nach drei Jahren wird es schon sehr, sehr schwierig. Das Gefühl der Freiheit ist dann oft größer.



Betreuen Sie die Menschen, die zu Ihnen kommen denn in allen Lebenslagen?

Herr Nordwall: Ja. Der Älteste wird jetzt 74, und den betreu ich immer noch. Der ist hier 1987 angekommen– da habe ich auch hier angefangen – und ich regle z.B. immer noch alle Geldangelegenheiten für ihn. Es sind viele über zehn Jahre schon dabei. Die brauchen das auch. Die können hierher kommen und Kaffe trinken, mit mir reden, weil sie Probleme mit den Kindern haben, Probleme mit dem Arbeitsamt haben oder anderes. Ich überweise für sie die Mieten. Es ist eine Hilfe für alle Lebensbereiche. Die Betreuung soll ja offiziell nach zwei Jahren aufhören, aber die hört auch nach zehn Jahren nicht auf. Ich kann die Leute ja nicht einfach wegschicken.



Passiert es denn oft, dass die Menschen weiterziehen?

Herr Nordwall: Ja, wenn sie nach den ersten zwei, drei Wochen nicht weg sind, dann haben sie eine gute Gelegenheit das zu schaffen, eine Wohnung zu bekommen und sich ein bisschen zu integrieren. Und wenn sie das erste halbe Jahr geschafft ha-

be, dann geht es meistens mehrere Jahre gut. Oft verschwinden sie dann nur bei größeren Konflikten wieder, und das sind meistens Beziehungsprobleme. Eine richtige Festigkeit besteht meistens erst so nach drei Jahren. Und die größte Hilfe leistet dabei wohl die Arbeit im Möbellager. Dort finden sie wieder das Gefühl, gebraucht zu werden und nicht überflüssig zu sein. Wobei es schwierig ist, das es jetzt in 15 Jahren keine einzige Lohnerhöhung gegeben hat. 820 Euro sind halt nicht viel; es reicht kaum, wenn sie dann arbeitslos werden.



Haben Sie Wünsche für die Zukunft? Was wäre aus Ihrer Sicht zu verbessern?

Herr Nordwall: Die ganze Wohnsituation. Es gab mal eine Idee, dass man kleine Wohneinheiten gebaut hätte, die sich über Wohngeld etc. getragen hätten. Dazu ist es leider nicht gekommen. Menschenwürdigeres Wohnen wünschte ich mir für die Menschen, die hier Hilfe suchen. Und das andere wäre die Hilfe zur Arbeit auch finanziell irgendwie auszubauen. In allen Bereichen hat es in den letzten Jahren Lohnerhöhungen gegeben, nur hier nicht. Die Lebenshaltungskosten sind gestiegen und so reicht das Geld oft nicht, gerade wenn man arbeitslos wird, dann bleiben noch so 500 Euro. Das reicht hinten und vorne nicht. Eine Erhöhung um einen Euro oder auch nur um 50 Cent die Stunde wäre sehr schön. Das würde auch das Selbstwertgefühl der Menschen steigern.