Der Diakonissen-Krankenpflege-Verein e.V.

Vorsitzende: Pastorin Etta Züchner
Brandenburger Str. 3
26725 Emden
Tel.: 04921 / 22658
Fax: 04921 / 34430
@: Pastorin.Zuechner@neue-kirche.de

Seelsorgerin: Veronika Hiery
Tel.: 04921 / 28797
Mail: hierveronika@web.de
FT: Frau Züchner, beschreiben Sie Ihre Funktion als Vorsitzende des Diakonissen-Krankenpflegevereins e.V.?

EZ: Der DKV ist ein selbständiger Verein, der der Ev.-ref. Gemeinde Emden sehr nahe steht, und der vom Vorstand – den Herren Norbert Schulz und Eiwin Scholl und mir – geleitet wird. Aus dem Verkaufserlös des Altenheims Bethanien richteten wir 1998 eine Stelle für die Begleitung und Seelsorge von Senioren ein.

Nachdem Frau Borcherdt in den Vorruhestand getreten ist, sind wir froh, mit der Sozialpädagogin Frau Veronika Hiery eine kompetente Person für diese Aufgabe gefunden zu haben. Frau Hiery ist zuständig für die Seniorenheime Hermann-Allmers-Str 105, Am Heuzwinger, Douwesstift/Bethanien und Haus Simeon.

Wir als Pastores sind nicht von der Arbeit entbunden, sondern wir sollen weiterhin unsere Gemeindeglieder in den Seniorenheimen besuchen, aber oft reichen ein bis zwei Besuche pro Jahr nicht aus.



FT: Sind Sie, Frau Hiery, konfessionell an die reformierten Gemeindeglieder gebunden?



VH: Gebunden nicht, aber es wird ein Anfang dort gemacht. Erfahre ich über die Heimleitung oder die Pflegedienstleitung, dass andere Menschen Gesprächsbedarf haben, allein sind oder keine Verwandten oder andere Ansprechpartner haben, werde ich mich genauso zuständig fühlen.



FT: Was gefällt Ihnen, Frau Züchner, besonders gut an Ihrer Aufgabe?

Ein Schwerpunkt meiner Arbeit war und ist die Seniorenarbeit. Ich sehe die Notwendigkeit, denn gerade durch die Reform im Pflegebereich ist der persönliche Kontakt immer weniger geworden. Eine gute Bekannte berichtete über den Stellenschlüssel in den Pflegeheimen. Das Personal muss immer mehr hasten und sich beeilen, um alles zu schaffen; der Mensch kommt dabei viel zu kurz. Die Seelsorge kommt ohnehin zu kurz. Deswegen ist es schön, wenn es für die Senioren einen konkreten Ansprechpartner gibt, der sich für sie Zeit nehmen kann.



FT: Was hat Sie gereizt, Frau Hiery?

Ausgeschrieben war die Stelle mit den Schwerpunkten: seelsorgerische Begleitung und Aufbau eines Besuchsdienstkreises.

Mein Schwerpunkt liegt in der seelsorgerischen Begleitung, besonders in der Trauerbegleitarbeit. Was den alten Menschen auf der Seele liegt, wenn sie im Altenheim sind, das ist das, was mir im Gespräch mit ihnen wichtig ist. Es geht weniger um Äußerliches, sondern um die intensiven Fragen des Lebens: Lebensbilanz, was sie mit Angehörigen klären wollen, wo sie wirklich ihre Sorgen haben - da bin ich als Gesprächspartnerin gefordert, gemeinsam zu schauen, was für sie wichtig ist und was sie brauchen.

Ich möchte auch als Ansprechpartnerin nach draußen zur Verfügung stehen.



FT Was wünschen Sie sich für die Arbeit dort?

In erster Linie Zusammenarbeit: mit den Heimen, mit Anderen, die eine ähnliche Aufgabe wahrnehmen, mit den Pastoren, die in den Altenheimen ein- und ausgehen. Überall, wo ich Möglichkeiten der Zusammenarbeit sehe, werde ich sie nutzen.

Häufig werden ältere Menschen nur als hilfsbedürftig angesehen. Ich möchte, dass die Erfahrung und Weisheit, die sie angesammelt haben, gewürdigt wird und einen Platz bekommt.

Und das ist das, was ich mir in der Fantasie im Besuchsdienstkreis vorstelle: mir schwebt vor, dass nicht nur ältere Menschen ältere Menschen besuchen, sondern dass es schön wäre, wenn Familien mit Kindern oder Konfirmanden oder Jugendliche Kontakt zu je einem alten Menschen aufnähmen. Großeltern und Enkel verstehen sich häufig sehr gut.

Ich denke, dass alte Menschen viele Erfahrungen mit Krisen, mit schweren Lebensabschnitten haben, und dieses jungen Menschen voraus haben. Beide könnten so einen Gesprächspartner gewinnen. So können Begegnungen fruchtbar werden, die nicht auf der ganz gleichen Ebene ist.

Wünschenswert wäre es, wenn Besuche und seelsorgerische Begleitung kontinuierlich weitergeführt und am Ende des Lebensweges zu einer Sterbebegleitung würden. Meine Aufgabe ist es selbstverständlich, auch Besuchende zu unterstützen und ihnen Hilfestellung zu geben, vor allem, wenn sie Angst vor dieser Aufgabe haben, bis zum Schluss zu bleiben.


Das Gespräch mit Veronika Hiery (VH) und Etta Züchner (EZ) führte Frauke Thees (FT)